Bürgeraufstand im Iran - Dezember 2025
Am 28. Dezember 2025 starteten im großen Bazar von Teheran große Proteste gegen die wirtschaftliche Lage im Iran und den "obersten Führer" Khamenei. Auch am 31. Dezember gingen die Proteste in Iran weiter und breiteten sich auf weitere Städte aus. Aus mindestens zwei Städten wurde gemeldet, dass Demonstrierende getötet wurden.

Laut Angaben von iranischen Aktivisten heißt es, dass in Ausschreitungen nun auch mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte verletzt worden seien; mindestens zwei Tote auf Seiten der Repressionskräfte wurden berichtet. In einigen Orten sollen Einheiten der Revolutionsgarde (IRGC) in Zivil in die Menge gegangen sein und Aktivisten mit Farbe markiert haben, um sie später gezielt festzunehmen. Das Regime setzt großflächig Tränengas ein. Hier ein kurzer Überblick:
- Foulad Shahr (Provinz Isfahan - Zentraliran): Straßen zeitweise „unter Kontrolle der Bevölkerung“; in Darvazeh Dowlat Zusammenstöße.
- Schiras (Qā’emieh - Südiran): Proteste im Stadtgebiet gemeldet.
- Qazvin (Provinzhauptstadt): Demonstration mit starkem Anteil von Frauen und Jugendlichen.
- Ramhormoz (Khuzestan - Südwestiran): Demonstrierende setzten ein Gebäude der Sicherheitskräfte in Brand.
- Hamedan (Provinzhauptstadt -Westiran): Proteste auf viele Straßen ausgeweitet; Slogan „Tod Khamenei“ verbreitet. Ein Video zeigt, wie zwei junge Männer einem Wasserwerfer und Einheiten standhalten; mit weiterer Beteiligung wurden Kräfte zum Rückzug gezwungen. Teilweise direkter Schusswaffeneinsatz; außerdem wurden Müllcontainer von Stadtverwaltung entfernt, um Brandbarrieren zu verhindern.
- Kuhdasht (Luristan - Westiran): Eskalation bis zu Handgemengen; nach dem Tod eines Demonstrierenden Angriffe auf Repressionskräfte und Fahrzeuge; Auseinandersetzungen bis in die Nacht.
- Dorud (Luristan): Anti-Regime-Proteste mit „Weder Gaza noch Libanon – mein Leben für Iran“.
- Khorramabad: Anti-Regime-Proteste mit vielen Jugendlichen in der Innenstadt.
- Arak - Zentraliran: Tausende demonstrierten in der Jomhouri-Straße.
- Asadabad (Hamedan): Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein und schossen direkt auf Demonstrierende.
- Fasa (Fars - Südiran): Große Demonstration; Menge zog zur Gouverneursverwaltung, riss das Tor ab; Sicherheitskräfte schossen auf Demonstrierende. Reuters veröffentlichte ein vollständiges Video der Schüsse.
- Tabriz (Nordwestiran): Beginn eines Streiks von Ladenbesitzern im Großen Basar (Shahnaz).
- Weitere gemeldete Orte: Dehloran (Ilam), Bagh Malek (Khuzestan), Kermanschah (große Proteste und Zusammenstöße).
- Teheran: Proteste in mehreren Bereichen, u. a. Shadabad (Eisenmarkt).
Hintergrund: Aufstände in Teheran und anderen Städten Irans
Vor Beginn der Proteste kam es zum drastischen Währungsverfall im Iran (Dollar zeitweise bei 1.450.000 Rial / 145.000 Toman). Als Reaktion gab es in Teheran zu einer Welle von Ladenschließungen, Streiks und Straßenprotesten – besonders im Basar- und Geschäftsbereich. Händler riefen andere zum Mitmachen auf; die Slogans reichten rasch über wirtschaftliche Forderungen hinaus und wurden deutlich politisch („Tod dem Diktator“, Parolen gegen Khamenei und gegen das System). Am 29. Dezember eskalierte die Lage in zentralen Bereichen Teherans: Sicherheitskräfte griffen u. a. mit Tränengas und Schlagstöcken an; es kam zu teils heftigen Zusammenstößen. In den Folgetagen breiteten sich Proteste und Streiks auf weitere Städte aus (u. a. Maschhad, Karadsch, Hamedan, Schiras, Isfahan, Tabriz). Berichtet wurde auch von Aktionen an Universitäten sowie von Solidaritätsbekundungen der Lkw-Fahrer.
Stellungnahme des Verbands iranischer Vereine Hamburg
Wir begrüßen den Protest der streikenden Basarhändler und ordnen die Proteste als Ausdruck der Wut breiter Bevölkerungsschichten ein: Währungsabsturz, Inflation, Rezession, Diskriminierung und systematische Korruption haben das Leben der Mehrheit erschüttert. Die Parolen der Protestierenden zielten auf die Wurzel des Problems, das System der Velayat-e Faqih, und benannten zugleich die Lösung: „Widerstand und Aufstand“. Die Bevölkerung, insbesondere die rebellische Jugend des Iran zeigt Solidarität und unterstützt den Protest. Die landesweite Vernetzung der Arbeiterklasse, der Studierenden, der Mittelschicht und aller ethnischen und religiösen Minderheiten ist ein historisches Ereignis und zeigt, dass das iranische Volk sein Schicksal in die eigene Hand nimmt.
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